Abschied

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. PDFDrucken

Ihr Lieben,

Familiees sind jetzt schon fast sieben Jahre her, dass ich auf den Bezirk Bruchsal/Kraichtal kam. Es hat sich vieles getan in dieser Zeit: Alleine bin ich gekommen, als Familie gehen wir wieder fort. Freundschaften sind gewachsen und geistlich haben wir gemeinsame Erfahrungen gemacht. Man sagt, dass ein Pastor durch nichts stärker geprägt wird als durch seine erste Gemeinde. Ich bin sehr dankbar, dass ich bei Euch diese ersten Erfahrungen machen durfte.

Inzwischen geht mein Blick nach vorne. Der Übergang nach Italien steht an und wieder kommen ganz ähnliche Gefühle und Fragen auf wie vor sieben Jahren. Wie wird die Gemeinde sein? Werden wir als Pastoren, gerade ich als Frau akzeptiert werden? Werden wir selbst in den Gemeinden für uns eine geistliche Heimat finden? Aber auch ganz praktische Fragen nach einer Wohnung oder einer Person, die uns Jean-Daniel während den Gottesdiensten mal abnehmen kann, stellen sich so langsam.

Wenn ich über den Umzug nach Italien spreche, dann fallen die Reaktionen ganz unterschiedlich aus. Einzelne beneiden uns, dass wir bald im Land von Sonne, Meer und Eiscreme leben dürfen, andere halten Italien gerade noch als Urlaubsland für tragbar, aber wegen Mafia, Berlusconi und dem Bischof von Rom eben nicht zum Leben geeignet. Die Wahrheit dürfte wie so oft irgendwo in der Mitte liegen.

Was fest steht ist: Wir gehen. Wir gehen mit gemischten Gefühlen. Wir gehen nicht leichtfertig, sondern wohl überlegt und trotzdem auch gegen besseres Wissen. Wenn wir nur danach schauen würden was uns gut tut, dann müssten wir sagen: Bleiben wir doch hier im schönen Deutschland, im lieblichen Baden. Da lebt es sich gut, da gibt es eine Krankenversicherung und stabile Häuser, da haben die Gemeinden noch so viel Geld, dass die Kirche ordentlich geheizt wird und da müssen wir uns keine Gedanken machen ob wir von unserem Gehalt wohl auch überleben können. Wie gesagt: Wenn wir nur nach unseren Wünschen entscheiden würden, dann wäre die Entscheidung wahrscheinlich anders ausgefallen.
Wir haben uns aber dafür entschieden Gott mit reden zu lassen und er hat uns Italien aufs Herz gelegt. Diese Berufung bedeutet nicht, dass automatisch alles glatt laufen wird, aber wir haben es schon erleben dürfen, dass Gott Türen öffnet, die wir so gar nicht erwartet hätten und deshalb vertrauen wir darauf, dass er uns auch mit allem anderen was wir zu einem zufriedenen Leben brauchen, versorgen wird.

Die italienische Kirche hat für uns eine Stelle in Vicenza vorgesehen, das ist eine Stadt mit 113.000 Einwohnern auf halber Strecke zwischen dem Gardasee und Venedig. Wir werden zunächst zwei Gemeinden betreuen, Vicenza und Bassano del Grappa. Die Gemeinden sind insofern speziell, weil sie einen sehr hohen Migrantenanteil haben. Viele afrikanische Familien haben dort ihre geistliche Heimat gefunden. Auch die Gottesdienste haben sich schon der afrikanischen Mentalität angepasst, was für den italienischen Teil der Gemeinde nicht immer einfach ist. Meine Hauptaufgabe wird es sein, die italienische Gemeinde zu stärken, während William sich überwiegend um die Migranten kümmern wird.

Mein Schwerpunkt wird die Evangelisation sein, William wird wohl stark diakonisch arbeiten. Viel mehr wissen wir im Moment selbst noch nicht. Es ist ein Schritt ins Ungewisse hinein, aber wir gehen diesen Schritt gerne.

Euch wollen wir heute danke sagen. Danke für die schöne gemeinsame Zeit, danke für die Freundschaft und die vielen lieben Gesten der Verbundenheit, danke für das Vertrauen, das ihr uns entgegengebracht habt und die Erfahrungen, die wir mit euch gemeinsam machen durften.

Gott segne euch, er segne diesen Bezirk, die Jugendlichen und die Alten, die eingefleischten Methodisten und die neu dazugekommenen, die Bibeltreuen und die Freidenker, die Anzugträger und die Barfußgeher und auch alle anderen, die in keine Schublade passen. Gott mit euch.

Ulrike Jourdan