KURZANgeDACHT
Frucht der Verbindlichkeit
Wer nichts für die Gemeinschaft tut,
vernachlässigt sich selbst.
Zugegeben, das ist ein provokanter Gedanke, der sich aber gut belegen lässt, denn die Bereitschaft zu Bindung und Verbindlichkeit ist ein Faktor für gelingendes Leben.
Verbindlichkeit ist ein hohes Gut, das unserer Gesellschaft verloren zu gehen droht. Im gleichen Maße wie Mediendominanz und Egozentrik zunehmen und folglich zu Vereinzelung und Vereinsamung führen, lässt die Bereitschaft zu sozialer Beziehungsarbeit und -kontinuität nach. Wenn Menschen denken Gemeinschaft nicht zu brauchen, werden sie nichts Wesentliches in die Gestaltung von Gemeinschaftsformen investieren.
Soziale Netze, von denen in der Gesellschaft oft die Rede ist, werden meist nur unter dem Blickwinkel der finanziellen Sicherstellung des Lebens betrachtet. Dabei wird verkannt, dass Sozialfiguren eine direkte lebensformende Bedeutung haben, denn ohne Bindungen bleibt der Mensch allein
und verkümmert.
Gemeinschaft ist ein menschliches Grundbedürfnis. Auf die Ausgestaltung kommt es an, wenn sie gut sein soll. Da Gemeinde ihren Kennzeichen nach eine Wahlgemeinschaft ist, lebt sie wie kaum etwas anderes vom Idealismus der Verbindlichkeit, der sich nicht aus reinen Nützlichkeitserwägungen oder Blutsbanden, sondern aus dem Teilen von Glaubensüberzeugungen nährt.
Frucht der Verbindlichkeit zeigt sich in Bindungsbereitschaft und Beständigkeit und darin etwas zu tun und geben für das Personengebilde der Gemeinde.
Wo echte Verbindlichkeit gelebt wird, hält man einen Vertrauensvorschuss füreinander bereit und wagt füreinander einzustehen. Da ist man sich gut und wert aufeinander zuzu- leben und kann auch gegenseitige „Unverträglichkeiten“ überwinden, ohne daran zu zerbrechen.
Alltagstauglicher Glaube braucht die Beständigkeit und Verbindlichkeit in den Beziehungen. Durch verbindlichen Lebensstil und treue Begleitung füreinander wächst Vertrauen und Festigkeit. Das wiederum hilft das Leben zu orientieren und zu verorten. So wächst Heilung aus Verbindlichkeit.
Die Gemeinde ist der Raum, in dem wir unter dem Einfluss Jesu lernen können intakte Beziehungen zu leben. Wo Menschen sich mit feiner Menschlichkeit und in der Gesinnung des Glaubens begegnen, wird Glaube, Gemeinschaft und Leben gestärkt.
Sich darauf wieder neu einzulassen ist ein wirklich lohnendes Ziel.
„Ihr habt euch der rettenden Botschaft Gottes im Gehorsam zugewandt und seid dadurch fähig geworden, euch untereinander aufrichtig zu lieben; so liebt einander beständig aus reinem geistlichen Sinn.“
1.Petrus 1,22
Sieghard Kurz

