Angedacht
Als Kinder haben wir in der Jungschar gesungen: „Wir gehören zusammen, ich gehöre dazu. Keiner muss allein sein, wichtig bist auch du!“
Kindern leuchtet es schnell ein, dass Gemeinschaft ihnen Vorteile bringt, eben weil sie sich alleine oft schwach und unverstanden fühlen. Kinder erleben, dass sie alleine immer wieder das machen müssen, was den Erwachsenen gerade praktisch erscheint. Erst wenn viele Kinder zusammen kommen werden sie wirklich beachtet und dann werden ihre persönlichen Wünsche auch gehört.
Das ist der Vorteil einer starken Gemeinschaft.
Wir stehen als Erwachsene oft auf der anderen Seite des Spektrums und leiden an der Gemeinschaft. Wir leiden an den ewig Schwachen, die mitgezogen und mitgetragen werden müssen. Wir leiden daran, aufeinander Rücksicht nehmen zu müssen und haben weder Zeit noch Verständnis, um Andersartigkeit zu ertragen.
Das ist der Nachteil einer starken Gemeinschaft.
Der Apostel Petrus spricht einmal von dem Tempel Gottes, in den wir uns einbauen lassen sollen als lebendige Steine. Wenn wir im Bild bleiben, dann könnte ich mir vorstellen, dass manche tragende Granitsteine leicht auf die Idee kommen konnten, sich nicht mit so nervigen Kieseln abzugeben und dass sogar die Kiesel die Tragfähigkeitsbilanz der Granitsteine nach unten senkten.
Bilanzen mögen wir. Wir hängen an ihnen, als wären sie Evangelium, aber das sind sie nicht! Statistiken sind nur Zahlen und können echte Menschen aus Fleisch und Blut nicht ersetzen. Statistiken können Gottes Auftrag an uns nicht relativieren.
Wir sind auf unserem Bezirk aus vier unterschiedlichen Gemeinden zusammengesetzt. Jede Gemeinde hat ihre Stärken, jede hat auch ihre Schwächen. Manchmal können wir uns glücklich schätzen, dass Gott uns zusammengestellt hat, manchmal werden wir an dieser Gemeinschaft auch leiden, und trotzdem gilt die Aufforderung, dass wir uns zu dem einen Tempel Gottes bauen lassen sollen.
Diesen Auftrag Gottes will ich an erste Stelle setzen, entgegen allen Statistiken.
Ulrike Jourdan

