Im Monatsspruch für Dezember verspricht Gott:
Ich will euch trösten,
wie einen seine Mutter tröstet.
Jes 66,13a
Wer braucht schon Trost? Ist das nicht nur was für Kinder? Sind wir Erwachsenen nicht stark genug uns selbst Trost zuzusprechen?
Jesaja bringt diese Worte den Heimkehrern aus Babylon im sechsten Jahrhundert vor Christus.
Die Menschen damals hatten hauptsächlich mit Fragen der Wiedereingliederung zu kämpfen. In ihrem Heimatland hatten sich fremde Völker eingerichtet und es stand die Frage im Raum wie man es schaffen könne so viele unterschiedliche Kulturen in einer Stadt zu vereinen.
Wir stehen heute vor einer ganz ähnlichen Situation. Es gibt keine einheitliche Kultur mehr und irgendwie führt das bei vielen Menschen zu einer diffusen Angst. Unsicherheit vor dem Fremden, Furcht eigene Wurzeln zu verlieren, Bedenken gegenüber einer ungewissen Zukunft. Die Finanzkrise hilft nicht wirklich dabei Vertrauen zu schaffen und viele Menschen würden ihr Leben ganz einfach als trostlos beschreiben.
Auch für uns gelten heute die Worte: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet; ja, ihr sollt an Jerusalem getröstet werden.
Jesaja sieht in Jerusalem offensichtlich mehr als andere. Er sieht über die Trostlosigkeit, über die Verzweiflung und über den Streit hinaus. Er sieht mit den Augen
Gottes. Gott hat den Menschen eine Vorstelllung gegeben, worauf es ankommt, wenn das Leben gelingen soll. Gott erwartet, dass alle zu ihrem Recht kommen – die Alten und Jungen, die Frauen und Männer, die Fremden und die Einheimischen. Alle sollen das bekommen was sie für ein gelingendes Leben in der Gemeinschaft brauchen. Wenn es nach Gott geht soll Jerusalem (vielleicht dürfen wir dafür auch Bruchsal oder Kraichtal einsetzten) nicht in Trostlosigkeit versinken. Nein, er will trösten, wie einen seine Mutter tröstet.
Wie tröstet eine Mutter? – Sie weiß, das Kind gehört zu mir, aber es gehört mir nicht. Sie kann los lassen ohne zu verlassen. Sie achtet auf ihr Kind und achtet es. Sie traut ihrem Kind etwas zu und gibt nie auf.
In der Bibel steht, dass Gott wie eine wirklich gute Mutter tröstet. Er stattet uns aus mit dem Lebensnotwendigen und er traut uns zu diese Gaben in die Gemeinschaft einzubringen.
Unsere Städte brauchen heute Menschen die Gottes Zuspruch hören: Es muss nicht bei dem bleiben, was sich so oft an Trostlosigkeit zeigt.
Wir wissen eigentlich worauf es ankommt, und was wir, jeder einzelne beitragen können. Wir feiern in diesen Tagen Advent. Advent heißt: Da kommt noch was. Gerechtigkeit, Friede, Trost..., das soll erfahrbar werden auch bei uns hier in Bruchsal und Kraichtal. Trostlosigkeit soll, kann, darf nicht das letzte Wort behalten.
Ich würde mich freuen wenn viele von uns sich für diese Adventszeit eine Kleinigkeit vornehmen würden. Ein paar nette Worte mit den Pennern am Bahnhof zu wechseln, einen Beutel Keksen der Asylantenfamilie gegenüber bringen, eine Tasse Kaffee trinken mit einem Jugendlichen der keine Perspektive für sein Leben sieht – damit Gottes Verheißung Wirklichkeit wird!
Gott, der uns wie eine Mutter tröstet, hat uns mit Gaben ausgestattet die eingesetzt werden wollen, in der Stadt wo wir zu Hause sind um damit ein Zeichen für die Ankunft des Herrn zu setzen.
Ulrike Jourdan

